Von Ubuntu zu Arch

2010-09-03 // Tags:

Nun war es soweit, nachdem ich bereits auf meinem eee-PC eine Test-Installation von Arch gemacht hatte, habe ich nun auch auf meinem angestaubten Desktop-PC diese Linux-Distribution installiert. Damit ersetzte ich nach gut 5 Jahren Nutzung Ubuntu auf meinem Rechner. Doch an dieser Stelle will ich kein Ubuntu-Bashing betreiben, noch in die alte Diskussion “Ubuntu vs. Arch” einsteigen. Vielmehr will ich ein wenig auf meine persönlichen Beweggründe eingehen.

Schon länger war ich vom System der Rolling-Distribution fasziniert. In der Praxis heißt diese Versionspolitik, dass neue Software und Updates immer laufend ausgeliefert werden. Feste Release-Zyklen, wie bei Ubuntu gibt es nicht. Man muss also nicht auf Version 10.10 warten, um die neueste Version einer Software zu bekommen, sondern erhält diese direkt, wenn diese in die Repositories eingepflegt wurden. Natürlich bietet diese Vorgehensweise auch potentiell die Gefahr, dass fehlerhafte Software schneller an den Endnutzer ausgeliefert wird.

Doch dies ist meiner Meinung nach nur ein Feature, kein Must-Have bei einer Linux-Distribution. Für mich schon gravierender war das Gesamtpaket hinter Ubuntu. In der Standard-Installation wurden einige Programme, die ich bevorzuge, durch andere Alternativen ersetzt. Zum Beispiel ist Empathy seit einiger Zeit der Standard, ich bin aber durch einige Vorzüge eher der Freund von Pidgin. Außerdem wurde einige Software bei der Standard-Installation entfernt, andere hinzugefügt, die ich persönlich nie brauche und so weiter. Also muss ich nach einer Basis-Installation erst mal ungeliebte Software entfernen und meine persönlichen Favoriten installieren. Ein Prozess, der wohl einfacher wäre, wenn ich von Anfang an nur das Installiere, was ich wirklich brauche und will. Und da bietet Ubuntu mir bei der Installation leider keine Auswahl.

Doch selbst, dass ich am System noch ein wenig rumbasteln muss, kann ich gut leben. Selbst, wenn an einigen Stellen die Integration meiner bevorzugten Applikationen in das Gesamtsystem nicht immer ganz rund lief. Was mich dann aber schlussendlich zum Wechsel getrieben hat: Die gesamten Eigenlösungen von Ubuntu! Als auslösendes Beispiel sei mein DVD-Rom-Laufwerk genannt. Ich habe einen relativ alten DVD-Brenner mit IDE-Anschluss. Und seit geraumer Zeit will der keine CDs mehr erkennen. Nach einiger Recherche fand ich heraus, dass man dem Kernel beim Booten den all_generic_ide-Parameter übergeben muss. Nun versuch mal einer, der noch das editieren der /boot/grub/menu.list gewohnt ist, unter Ubuntu einen Boot-Parameter einzustellen…

Also: Mittlerweile überwogen für mich die Argumente für Arch. Nach der Basis-Installation des Systems habe ich mir alles so installiert, wie ich es auch unter Ubuntu hatte: LXDE mit Openbox als Desktop-Umgebung/Window-Manager, Tint2 als Panel und eben alle Applikationen, die ich schon zuvor hier im Blog erwähnt hatte. Als Login-Manager kommt ein SLIM zum Einsatz und schon startet mein System gefühlt auch richtig schneller. Doch nachweislich kann ich erst mal nur sagen, dass ich weniger RAM mit Arch/LXDE als mit Ubuntu/LXDE verbrauche: Nach dem Hochfahren 130MB gegen 190MB.

Als ich dann Tint2 und meine Openbox eingerichtet habe, ist mir auch aufgefallen, dass unter Ubuntu einige Features nicht so ganz Funktionieren. Zum Beispiel kann ich hier unter OBConf auch die Position von Tint2 einstellen. Unter Ubuntu war der Menüpunkt “Dock” eigentlich nur eine Zierde… Und so stoße ich immer wieder auf einige Punkte, wo mir Ubuntu doch ein bisschen zu viel “Arbeit” abgenommen hat. Als Fazit würde ich also tendenziell jedem Linux-Nutzer, der ein bisschen fitter an seinem System und der Shell ist, zu Archlinux raten!

Doch wie gesagt, ich will auch nicht Ubuntu bashen! Im Gegenteil, ich finde Ubuntu ist eine richtig gute Linux-Distribution, die sich Gedanken um Innovation und Usabillity macht! Alleine für die allgemeine Verbreitung von Linux und analog auch zur Akzeptanz dieses Betriebssystems hat Ubuntu eine Menge beigetragen. Und auch die Community ist eine richtig große und gute Gemeinschaft, wo man auf jeden Fall gute Hilfe und Informationen findet. Darum würde ich auch jedem Anfänger zu Ubuntu raten. Hier bekommt er vieles abgenommen und wenn alles direkt Läuft auch Out-Of-The-Box ein benutzbares System mit allen (und noch viel mehr) Applikationen, die man für den täglichen Bedarf braucht.