Gedanken zur Technologienutzung

2016-10-03 // Tags:

Hin und wieder mache ich mir Gedanken zu meiner Technologie-Nutzung. Und besonders zu der Entwicklung meines Nutzungsverhaltens. Angefangen von meinem ersten Desktop-PC und Stereo-Anlagen hin zur heutigen vernetzten Welt der Kleingeräte.

In dieser Zeit hat sich eine Menge geändert. Dank günstiger Flatrates ist man mittlerweile ständig online. Egal ob aktiv oder passiv. Doch das ist nur ein Faktor. Gefühlt habe ich früher am PC mehr, also unterschiedlichere Aufgaben, erledigt. Doch das ist sicherlich nur eine gefühlte, nostalgisch verklärte Wahrnehmung. Viele Handlungsschritte sind einfach obsolet geworden. Gerade im Bereich Multimedia hat sich so viel getan. Heute kommt man gar nicht mehr auf die Idee, eine DVD oder eine CD zu rippen. Streaming-Dienste oder der direkte digitale Erwerb machen diesen Handlungsschritt obsolet.

Auch hat sich mein Spielverhalten stark gewandelt. Zum einen fehlt es mir heute meist an Zeit, um einfach mal was am Computer zu zocken. Doch selbst wenn ich ein paar Minuten habe, habe ich häufig schlicht keine Lust auf zocken. Vielmehr wird anderer Prokrastination Vorzug gegeben, seien es Tumble-Blogs, dediziert auf Zerstreuung ausgelegte Webseiten wie 9gag oder Webfail, die überfälligen Artikel in meinem Feed-Reader oder Read-It-Later-Dienst oder sogar mein aktuelles Buch. Das alles kommt mir eher in den Sinn, als ein Videospiel. Wenngleich ich immer noch einmal im Jahr irgendein Spiel anfange und dann zwei Wochen lang damit ordentlich Zeit verbrate.

Ohne Hardware-aufwändige Aufgaben wie Spiele oder Umrechenprozesse beim Rippen von Medien, ist für mich schnell die Notwendigkeit eines potenten PCs in den Hintergrund gerückt. Meinen Desktop-PC habe ich schon Ewigkeiten nicht mehr gestartet; hauptsächlich dient mir mein etwas betagtes Notebook als Arbeitsgerät. Und da die meisten Aufgaben heute eh über Cloud- und Webdienste funktionieren, fühle ich dadurch auch keinen Nachteil, wenn ich auch schon mal auf das Chromebook ausweichen muss.

In meinem Bekanntenkreis ist es ähnlich. Viele Leute nutzen für den reinen Konsum kaum noch ihren Laptop. Klar, für schreib-intensive Tätigkeiten, wie lange Mails, wird das Notebook gerne noch mal rangenommen. Aber zum Lesen von Nachrichten, stöbern in sozialen Netzwerken oder der flotten Kommunikation über Messenger, reichen Smartphone und Tablet voll aus.

Und da ist es deutlich bequemer, wenn man auf der Couch mit den neuen Post-PC-Geräten sitzt, als ein doch sperrigeres Laptop auf dem Schoß zu haben.

Diese Entwicklung führt für mich persönlich soweit, dass meine Ansprüche an mein Smartphone auch stark gestiegen sind. Wie gesagt, mein Laptop ist zwar betagt, reicht aber für etwas Bildbearbeitung, Schreiben, Internetzeug, voll aus. Darum ist eine Neuanschaffung zwar ein netter Gedanke, aber absolut nicht notwendig.

Bisher lebte ich eigentlich immer gut mit Einsteiger-Smartphones. Das Motorola Defy+ oder das Moto G erster Generation reichten meinen Ansprüchen. Doch irgendwann kamen immer mehr Kleinigkeiten hinzu, die mich an dem Moto G störten. Die Überlegungen gingen lange hin und her. Wieder die neuste Generation des Einsteigergeräts? Oder eine Alternative aus dem Mittelklasse-Segment? Schlussendlich musste ich mir aber eingestehen: Ich nutze das Smartphone häufiger als meinen Laptop. Morgens nach dem Aufstehen das Wetter checken, damit ich für den Tag entsprechend gekleidet bin, am Bahnhof die Verspätungen der Deutschen Bahn abfragen, während der Zugfahrt nachrichten lesen, Kommunikation mit der Ehefrau, Einkaufslisten, Mails, und so weiter. Bei dieser intensiven Nutzung wollte ich in Zukunft keine Kompromisse mehr eingehen; wenn ich das Smartphone mehrfach pro Stunde in die Hand nehme, will ich keine Verzögerungen durch lange Ladezeiten oder Frust, weil ich einfach nur schnell was nachschauen will, die Technik aber in diesem Moment nicht mitspielt.

So hat sich mein persönliches Nutzungsverhalten über die letzten 18 Jahre radikal geändert. Vom Desktop-Anhänger und Mobiltelefonhasser hin zum digitalen Nomaden. An sich keine schlimmer oder schlechte Entwicklung. In der Selbstreflexion allerdings doch interessant.