Bye-Bye Ubuntu, Hallo Fedora!

2017-02-23 // Tags:

Langsam hatte ich es dicke. Seit Ubuntu 6.06 war es das Betriebssystem meiner Wahl, lief bei mir auf Desktop, Netbook oder Laptop. Zwischenzeitlich hatte ich zwar auch Archlinux auf meinem Thinkpad Edge E330, doch nach einem zerschossenen Update hatte ich keine Lust auf viel Gefrickel und auch dort wieder Ubuntu installiert.

In der Vergangenheit war ich sehr zufrieden. Bis Gnome mit seiner Shell anfing und Ubuntu sein Unity entwickelte. Ich suchte nach schlanken alternativen und nutzte viele Konstellationen: Openbox, Mate, Cinnamon, Xfce und den schicken i3. Doch als dann wieder Ubuntu auf meinen Laptop kam, häuften sich immer wieder die Probleme. Auch unter Xubuntu 16.10 wurde ich nicht glücklich.

Ubuntu Frust

Ständig begrüßt mich nach einem Reboot eine Fehlermeldung: “Ubuntu hat einen Fehler festgestellt”. Was genau wollte mir das Betriebssystem so direkt nicht sagen. Dennoch läuft alles wie erwartet. Dieses Problem habe ich eigentlich auf allen Ubuntu-Rechnern, dem privaten Laptop und auch dem Desktop auf der Arbeit. Damit kann ich aber leben. Nachdem aber das Dropbox-Icon im Benachrichtigungsfeld von Xfce nicht mehr funktionsfähig war, und das Icon vom Synology Cloud Backup nicht ordentlich skalierte, wollte ich noch mal einen anderen Desktop ausprobieren: Budgie. Aber auch dort funktionierte das AppIndicator-Applet eher schlecht und lies sich auch nicht mehr aus dem Panel entfernen. Schade, an sich hat mir das Konzept des jungen Desktops gefallen.

Doch mit Budgie kamen mir auch die Gnome-Online-Accounts das erste mal unter die Nase: Vollständige Integration von Google-Drive, NextCloud oder Facebook für Kalender, Kontakte oder einfach als externe Laufwerke. An sich eine schicke Idee, die im ersten Moment auch gut funktioniert. Doch leider verlieren die Dienste irgendwann ihre Legitimation und lassen sich unter Ubuntu auch nicht mehr einrichten. Komischerweise funktioniert das unter GalliumOS auf meinem Chromebook ohne Probleme. Obwohl das Betriebssystem auf Ubuntu 16.04 basiert.

Ich vermute mal, dass es an veralteten Gnome-Bibliotheken und einer schlechten Integration in das *buntu-Betriebssystem liegt. Aus diesem Grund gibt es aktuell ja auch keine Möglichkeit, den FeedReader dort zu installieren. > Gtk is too old.. sorry

Nachdem ich mich also diverse Male darüber geärgert hatte, dass ich meine Kontakte und meinen Kalender nicht mit meinen Desktop-Apps synchronisieren und ich nicht einfach auf meine NextCloud zugreifen konnte - den offiziellen Client will ich wegen zu vieler Inotify-Nodes vermeiden -, hatte ich gestern die Schnauze voll und habe mir Fedora 25 auf meinem Thinkpad installiert.

Umgewöhnung

Nach mehr als 10 Jahren Ubuntu - und zugegeben davor einem kurzen Intermezzo mit SuSE Linux - ist die Umstellung auf Fedora erstmal etwas ungewohnt. Standardmäßig ist SELinux aktiviert, womit ich bisher kaum Kontakt hatte, apt oder dpkg gibt es nicht, stattdessen rpm, yum oder dnf. Dazu eine Gnome Shell. Eigentlich wollte ich keine schwergewichtige Desktop-Umgebung, sondern was leichtes. Allerdings ist Gnome der Standard-Desktop von Fedora und scheint somit auch besser in das Betriebssystem integriert zu sein, als es bei Ubuntu der Fall ist.

Zudem fährt Fedora ein krasses Paradigma: In der Grundinstallation gibt es erstmal nur FLOSS - Free Linux Open Source Software. Keine proprietären Anwendungen. Also musste ich zum Abspielen von MP3-Dateien und Videos erstmal die Repos rpmfusion-free und rpmfusion-nonfree hinzufügen.

Manche Anwendungen, die es zwar grundsätzlich für Linux gibt, sind hingegen recht starr auf Ubuntu ausgerichtet. Beispielsweise der Desktop-Client für Ghost oder der schicke Markdown-Editor Typora. Da muss ich mal schauen, ob und wie ich die deb-Pakete mit alien für Fedora frisch mache und die Abhängigkeiten aufgelöst bekomme.

Angenehmerweise funktioniert aber scheinbar direkt die Integration der Gnome-Online-Accounts und auch der VPN-Tunnel zu meiner Arbeit macht keine Probleme. Unter Ubuntu wurde der DNS nicht richtig gesetzt und ich konnte keine internen Adressen auflösen. Bisher mit Fedora keine Probleme.

Die Gnome Shell macht gerade auch einen guten Eindruck. Sie läuft flüssiger als erwartet auf meiner Hardware und bietet echt netten Benutzer-Komfort. Auch wenn ich erstmal ein Plugin installieren musste, damit ich Dropbox und Synology Cloud Backup in der Benachrichtigungsleiste sehe. Der Ressourcenhunger gefällt mir zwar nicht so sehr, aber den Kompromiss muss ich wohl gerade erstmal eingehen. Vielleicht probiere ich später auch mal Mate, XFCE oder einen anderen Desktop unter Fedora. Solange gebe ich aber der Gnome Shell eine Chance und schaue mal, ob sich Fedora im täglichen Betrieb besser schlägt als Ubuntu.